7. Internationale Spechtkonferenz

23. - 26. Februar 2014, Victoria Gasteiz, Spanien

Nicht etwa Bilbao, sondern Vitoria Gasteiz, die Hauptstadt des autonomen Baskenlandes, war der Austragungsort der 7. internationalen Spechttagung 2014. Diese traditionsreiche Stadt mit ihren zahllosen Tapasbars und ihr engagiertes Organisationskomitee schafften einen angenehmen Rahmen für die rund 100 Teilnehmer aus Nord- und Südamerika, Europa und Asien. Ziel der Tagung war es Wissenschaftler, Naturschützer und Manager aus aller Welt zusammen zu bringen, um Informationen auszutauschen und Netzwerke zu bilden, um das Verständnis für Spechte, ihrer Ökosysteme und deren Bedrohung besser zu verstehen und deren Schutzbemühungen zu optimieren.

Träger der Tagung war die Provinzregierung von Álava in Zusammenarbeit mit der Hazi Stiftung und dem Naturpark Izki, wohin auch die Exkusion am zweiten Tag (bei zum Ende hin richtig schlechten Wetter) führte. Dieser Park - nach dem Fluß Izki benannt - beherbergt auf 3500 ha den weltweit größten Bestand der autochtonen Pyrenäen Eiche, deren Schutz die oberste Priorität genießt. Diese Wälder beheimaten u.a. eine stabile Mittelspechtpopulation. Um die Lebensgemeinschaft um Eiche und Mittelspecht zu erhalten, gibt es einen neuen Managementplan, der vorgestellt und mit den Teilnehmern diskutiert wurde. Hier versucht man, die wertvollen Strukturen zu konservieren und gleichzeitig die Eichen zu verjüngen, ohne dass sich ein Baumartenwechsel hin zur Buche vollzieht. Die dort ansässigen Waldgenossen erhalten vom spanischen Staat eine Förderung/Nachteilsausgleich, um entsprechend weniger Holz zu nutzen. Geologisch stockt der Park überwiegend auf Kalkgestein, in das Flüsse tiefe Täler eingeschnitten haben und wo Tafelberge mit steilen Abstürzen ein beeindruckendes Landschaftsbild schufen.

Das umfangreiche Vortragsprogramm organisierte das wissenschaftliche Komitee bestehend aus Dr. Hugo Robles und PD. Dr. Gilberto Pasinelli. Ihnen gelang es weltweit renommierte Forscher als Keynotespeaker zu gewinnen.

Der erste Themenblock widmete sich der Waldbewirtschaftung und dem Spechtschutz. Hier gab M. Lammertink einen Überblick über den Spechtschutz weltweit und zeichnete besonders für Südamerika und den Asiatischen Kontinent ein eher düsteres Bild.

Die zweite Session beschäftigte sich mit der Verhaltensökologie von Spechten. Hier berichtete Walter König aus den USA als Keynotespeaker von der komplexen Sozialstruktur der Eichenspechte in Californien, die kooperative Brüter sind.

Der dritte Abschnitt hatte die Populationsökologie zum Inhalt – von den Genen bis zur Lebensgemeinschaft. Hans Winkler beleuchtete anhand der Phylogenie der Spechte die verschiedenen Verwandtschaftsbeziehungen und zeigte erstaunliche Beziehungen auf, die zum Teil weit von den morphologischen Ähnlichkeiten abwichen.

Umrahmt war das Vortragsprogamm, das in einem postmodernen Kunstmuseum stattfand, von einer Ausstellung von Spechtplasktiken weltweit, die ein lokaler Künstler geschaffen hatte. Die Postersession wurde mit einem der Plastiken als Preis für das beste Werk ausgezeichnet. Die Tagung, die von insgesamt 8 Organisationen gesponsert wurde, darunter auch von der DO-G, zog immerhin rund 10 Deutsche Teilnehmer an, die alle von der Professionalität und Gastfreundschaft beeindruckt waren. Trotz der aufwändigen Anreise war die Tagung absolut lohnend.

Die Tagung in Vitoria war übrigens zugleich die 25. Jahrestagung der Fachgruppe Spechte.

 

Text: Volker Zahner

Foto: Peter Havelka